Daten & Forschungsoutputs identifizieren

Zuletzt geändert von Veronika Kocher am Freitag, 04 Sep. 2026 14:45

Forschungsmaterialien, Dokumentation und Projektoutputs
VORBEREITEN · DATEN & FORSCHUNGSOUTPUTS IDENTIFIZIEREN

Wisse, was dein Projekt erzeugt, sammelt, nachnutzt und aufbewahren muss

Bevor du Speicherung, Rechte, Datenschutz, Dokumentation, Publikation oder Erhaltung planen kannst, brauchst du ein realistisches Inventar der Materialien und Outputs, mit denen dein Projekt arbeitet. In der künstlerischen Forschung gehört dazu oft deutlich mehr als klassische „Forschungsdaten“: Ausgangsmaterialien, physische Objekte, Skizzen, Aufnahmen, Software, Prozessdokumentation, Performances, Installationen und jene Unterlagen, die das Projekt später nachvollziehbar machen.

Beginne mit Typen, nicht mit einzelnen Dateien. Du musst jetzt nicht jedes Foto oder Dokument auflisten. Identifiziere die Kategorien, die dein Projekt erzeugt, sammelt oder nachnutzt, und halte anschließend fest, wie jede Kategorie behandelt werden muss.
Bezeichne nicht automatisch alles als „Daten“. Disziplinen und Fördergeber verwenden den Begriff unterschiedlich. Für die Planung ist es sinnvoll, Daten, Materialien, Dokumentation sowie Forschungs- und künstlerische Outputs gemeinsam zu inventarisieren und danach klar zu unterscheiden, worum es jeweils handelt und welche Anforderungen gelten.
SCHRITT 1 · MATERIAL- UND OUTPUTLANDSCHAFT ERFASSEN

Identifiziere fünf Arten von Projektmaterial

Ein Element kann mehreren Kategorien zugeordnet sein. Es geht nicht um eine perfekte Klassifikation, sondern darum, dass nichts Planungsrelevantes übersehen wird.

1 · Inputs & nachgenutztes Ausgangsmaterial

Material, das bereits existiert, bevor dein Projekt es verwendet.

  • Texte, Bilder, Filme, Musik, Archive und Sammlungen
  • bestehende Datensätze, Datenbanken und Korpora
  • Code, Software, Modelle oder Vorlagen von Dritten
  • gefundenes Material, Objekte, Proben oder Referenzwerke

2 · Erzeugte oder erhobene Daten / Nachweise

Aufgezeichnetes Material, das im Forschungs- oder künstlerischen Prozess entsteht.

  • Interviews, Umfragen, Beobachtungen und Feldnotizen
  • Audio, Video, Fotografien und Scans
  • Messwerte, Sensordaten und Versuchsaufzeichnungen
  • Annotationen, Transkripte, strukturierte Datensätze oder Datenbanken

3 · Prozess- & Projektdokumentation

Unterlagen, die zeigen, wie sich die Arbeit entwickelt hat und wie Entscheidungen zustande kamen.

  • Skizzen, Notizbücher, Probenunterlagen und Entwürfe
  • Produktionsdateien, technische Pläne und Installationsanleitungen
  • Entscheidungsprotokolle, Versionsverläufe und Provenienzangaben
  • Dokumentation von Methoden, Workflows und Transformationen

4 · Forschungs- & künstlerische Outputs

Was das Projekt liefern, publizieren, präsentieren oder zugänglich machen soll.

  • Kunstwerke, Performances, Ausstellungen und Installationen
  • Publikationen, Artikel, Bücher, Kataloge und Abschlussarbeiten
  • Filme, Audioarbeiten, Partituren, Designs und Prototypen
  • Datensätze, Software, Code, Modelle, Websites oder Lehrmaterialien

5 · Administrative & nachweisrelevante Unterlagen

Unterlagen, die keine Forschungsoutputs sein müssen, aber für Nachvollziehbarkeit, Berichtspflichten oder Projektabschluss wichtig sind.

  • Vereinbarungen, Einwilligungen und Genehmigungen
  • Förder-Deliverables und Nachweise für Berichte
  • Beschaffungs-, Geräte- oder Partnerdokumentation
  • Freigaben, Verantwortlichkeiten und Übergabeunterlagen
SCHRITT 2 · ARBEITSINVENTAR ANLEGEN

Lege für jeden Material- oder Outputtyp eine Zeile an

Das Inventar verbindet die Projektidee mit den praktischen Entscheidungen, die daraus folgen. Es sollte genau genug sein, um Risiken, Abhängigkeiten und Verantwortlichkeiten sichtbar zu machen, aber einfach genug, um laufend gepflegt zu werden.

InventarfeldFesthaltenWarum das wichtig ist
Typ / BezeichnungEine verständliche Kategorie wie „Interviewaufnahmen“, „CAD-Dateien der Installation“ oder „finale Ausstellungsdokumentation“.Schafft eine gemeinsame Sprache im Team.
HerkunftSelbst erzeugt, erhoben, beauftragt, von Partner*innen erhalten oder von Dritten nachgenutzt.Die Herkunft beeinflusst Rechte, Provenienz und Verantwortlichkeiten.
Format / MaterialDateiformate, Softwareabhängigkeiten, physisches Material, analoge Träger oder benötigte Spezialgeräte.Macht technische und langfristige Abhängigkeiten sichtbar.
UmfangUngefähre Menge, Dauer, Dateigröße, Anzahl von Objekten oder erwartetes Wachstum.Hilft bei Speicher-, Transfer-, Backup- und Kostenplanung.
Personenbezug & SensibilitätOb personenbezogene, vertrauliche, eingeschränkte, kulturell sensible oder anderweitig schützenswerte Inhalte enthalten sind.Bestimmt Zugriffs- und Schutzanforderungen.
Rechte / GenehmigungenWer Rechte hält, welche Lizenz gilt, welche Einwilligungen/Genehmigungen vorliegen und was noch ungeklärt ist.Bestimmt, was nachgenutzt, publiziert oder geteilt werden darf.
ArbeitsortWo die aktive Kopie gespeichert oder ein physisches Objekt aufbewahrt wird.Macht Zuständigkeit und Risiken sichtbar.
Master / maßgebliche VersionWelche Datei, welches Objekt oder welcher Datensatz als Master gilt und wie er von Arbeits- oder Derivatversionen unterschieden wird.Verhindert Unklarheit bei Übergabe und Publikation.
Metadaten / ProvenienzWelche Angaben zu Quelle, Urheber*in, Datum, Kontext, Methode, Version und Beziehungen benötigt werden.Macht Material später verständlich und nachnutzbar.
LebenszyklusentscheidungBehalten, löschen, einschränken, teilen, publizieren, deponieren, archivieren oder erhalten — und wer entscheidet.Verbindet die laufende Arbeit mit Projektabschluss und langfristigem Zugang.
Sinnvolles Minimum: Wenn du beantworten kannst, was es ist, woher es kommt, wer verantwortlich ist, wo der Master liegt, ob es sensibel ist, welche Rechte gelten und was am Projektende damit geschehen soll, hast du bereits ein starkes erstes Inventar.
SCHRITT 3 · KÜNSTLERISCHE PROZESSE SICHTBAR MACHEN

Identifiziere die Dokumentation, die die Arbeit später verständlich macht

Bei performativen, räumlichen, prozessbasierten, partizipativen oder anderen ephemeren Arbeiten sind das Werk und seine Dokumentation nicht dasselbe. Entscheide bewusst, was dokumentiert werden muss und welchen Status diese Dokumentation hat.

Performance / Live-Arbeit

Mögliche Unterlagen sind Score oder Skript, Probenmaterial, Technical Rider, Bühnen- oder Raumplan, Foto-, Audio- und Videodokumentation, Credits, Einwilligungen von Mitwirkenden/Teilnehmenden und eine Beschreibung der tatsächlich realisierten Aufführung.

Installation / Ausstellung

Mögliche Unterlagen sind Konzeptmaterial, Pläne, CAD-/3D-Dateien, Komponentenlisten, Medien-Master, Installationsanleitungen, Geräteabhängigkeiten, Ansichten der installierten Arbeit, Beschriftungen/Credits sowie Informationen zu Abbau oder Wiederinstallation.

Design / Architektur / Herstellung

Mögliche Unterlagen sind Recherchequellen, Zeichnungen, Modelle, Prototypen, Materialtests, Fertigungsdateien, technische Spezifikationen, Fotografien, Iterationen, Entscheidungen und finale Präsentationsdateien.

Partizipative / interviewbasierte Arbeit

Mögliche Unterlagen sind Teilnehmendeninformation, Einwilligungen/Genehmigungen, Aufnahmen, Transkripte, von Teilnehmenden erzeugtes Material, Feldnotizen, Kodierung/Analyse, Zugriffsbeschränkungen und öffentliche Outputs.

Digitale / computergestützte Arbeit

Mögliche Unterlagen sind Quellcode, Abhängigkeiten, Konfiguration, Datensätze, Trainings- oder Verarbeitungsinputs, Dokumentation, Build-/Exportdateien, Versionsangaben, Lizenzen und jene Umgebung, die zum Reproduzieren oder Verstehen der Arbeit nötig ist.

Publikation / Film / Audio

Mögliche Unterlagen sind Recherchematerial, Quellmedien, Schnitt-/Projektdateien, Rechteunterlagen, Untertitel/Captions, Credits, hochauflösende oder erhaltungsfähige Master, Distributionsderivate und Publikationsmetadaten.

SCHRITT 4 · WICHTIGE UNTERSCHEIDUNGEN TREFFEN

Diese Unterschiede verhindern spätere Probleme

Selbst erzeugt vs. nachgenutzt.
Eigenes Material und Material von Dritten können sehr unterschiedliche Rechte- und Lizenzbedingungen haben.
Arbeitsdatei vs. Master.
Eine praktische Bearbeitungskopie ist nicht automatisch die maßgebliche oder langfristig geeignete Version.
Dokumentation vs. Werk/Output.
Ein Foto einer Performance kann die Arbeit dokumentieren, ohne selbst das Werk zu sein. Halte die Beziehung ausdrücklich fest.
Öffentlich vs. eingeschränkt.
Ein Projekt kann einzelne Outputs publizieren und gleichzeitig personenbezogenes, vertrauliches, gesperrtes oder rechtebeschränktes Ausgangsmaterial geschlossen halten.
Speicherung vs. Erhaltung.
Dass eine Datei heute gespeichert ist, bedeutet nicht, dass sie in einigen Jahren noch geöffnet, verstanden oder verlässlich zugeordnet werden kann.
Aufbewahren vs. Teilen.
Material kann aus Nachweisgründen aufbewahrt werden müssen, ohne dass eine Berechtigung oder ein Grund für eine Veröffentlichung besteht.
SCHRITT 5 · PROJEKTINVENTAR DURCHFÜHREN

Eine praktische Reihenfolge für das Team

01

Erwartete Typen auflisten

Starte bei Antrag, Arbeitspaketen, Methoden, künstlerischem Prozess, Deliverables und öffentlichen Outputs.

02

Nachgenutztes Material ergänzen

Erfasse Archive, bestehende Datensätze, Bilder/Medien von Dritten, Code, Partnermaterial und weitere Inputs.

03

Sensible Kategorien markieren

Identifiziere personenbezogenes, vertrauliches, eingeschränktes, kulturell sensibles oder anderweitig geschütztes Material frühzeitig.

04

Master festlegen

Entscheide, welche Dateien oder Objekte maßgeblich sind und wie Versionen/Derivate unterschieden werden.

05

Rechte & Genehmigungen festhalten

Dokumentiere Rechteinhaberschaft, Lizenzen, Einwilligungen, Partnerbedingungen und offene Fragen, bevor Verbreitung geplant wird.

06

Umfang & Abhängigkeiten schätzen

Markiere große Datenmengen, Spezialformate, Software, Hardware, Geräte, physischen Platzbedarf und Transferanforderungen.

07

Mit Speicherung & DMP verbinden

Nutze das Inventar, um Arbeitsorte, Zugriffsregeln, Backup, Dokumentation und Lebenszyklusmaßnahmen festzulegen.

08

An Meilensteinen prüfen

Aktualisiere das Inventar, wenn sich Methoden, Partner*innen, Outputs, Formate, Rechte, Personen oder Publikationspläne ändern.

SCHLÜSSELFRAGEN

Diese Fragen sollte jedes Projekt beantworten können

Welches bestehende Material nutzen wir nach und unter welchen Bedingungen?
Welche neuen Daten, Aufzeichnungen, Objekte oder Dokumentationen erzeugen oder erheben wir?
Welche Outputs sind vertragliche/Förder-Deliverables und welche sind zusätzliche Projektoutputs?
Was ist digital, analog, physisch, räumlich oder von Spezialsoftware/-geräten abhängig?
Welches Material enthält personenbezogene, vertrauliche, eingeschränkte oder sensible Informationen?
Wer hält oder kontrolliert die Rechte an den einzelnen Typen und welche Genehmigungen/Lizenzen werden benötigt?
Welche Version gilt als Master oder maßgeblicher Datensatz?
Welche Metadaten oder Kontextinformationen werden benötigt, um das Material später zu verstehen?
Was soll am Projektende geteilt, eingeschränkt, aufbewahrt, gelöscht, deponiert oder erhalten werden?
Wer ist für die einzelnen Entscheidungen und für die abschließende Übergabe verantwortlich?
STOPP & PRÜFEN

Typische Lücken im Inventar

Nur finale Deliverables sind erfasst.
Ausgangsmaterial, Prozessdokumentation und Forschungsnachweise fehlen in der Planung.
„Alles liegt in der Cloud.“
Niemand hat den konkreten Dienst, die Zuständigkeit, das Zugriffsmodell, das Backup oder die Masterkopie festgelegt.
Ephemere Arbeit hat keine Dokumentationsstrategie.
Das Projekt kann enden, ohne dass genügend Informationen zum Verstehen, Präsentieren oder Erhalten der Arbeit vorhanden sind.
Material von Dritten hat keine Provenienz.
Quelle, Urheber*in, Lizenz oder Genehmigung lassen sich später nicht mehr rekonstruieren.
Personenbezogenes oder vertrauliches Material liegt gemeinsam mit Publikationsdateien.
Zugriffsentscheidungen werden schwierig und unbeabsichtigte Offenlegung wahrscheinlicher.
Der Master ist unklar.
Mehrere Exporte oder Kopien existieren, aber keine maßgebliche Version wurde festgelegt.
Physische Objekte fehlen im Datenplan.
Ort, Eigentum, Zustand, Dokumentation oder Übergabeverantwortung sind nicht festgehalten.
Spezialformate gelten als selbsterklärend.
Software, Hardware, Plugins oder Kontext, die zum erneuten Öffnen nötig sind, werden nicht dokumentiert.
SERVICES & TOOLS

Nutze das Inventar, um die richtige Unterstützung einzubeziehen

NÄCHSTER SCHRITT · AUS DEM INVENTAR EINEN PLAN MACHEN

Verwandte Themen im Service Navigator

Du bist unsicher, was in das Inventar gehört? Bring eine kurze Projektbeschreibung, geplante Methoden/Aktivitäten, erwartete Outputs, voraussichtliches Ausgangsmaterial und vorhandene Förderanforderungen mit. Bei geförderten Kunst- und Forschungsprojekten kann Support Kunst und Forschung helfen, diese Elemente mit der gesamten Projektplanung zu verbinden.
SCHULUNGEN & WORKSHOPS

Schulungen, Workshops & Sprechstunden

Passende Angebote zu diesem Thema werden hier künftig automatisch aus dem zentralen Kalender angezeigt.

IN VORBEREITUNG
NÜTZLICHE MATERIALIEN

Praktische Ressourcen

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Anleitungen
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