Infrastruktur, Services & Tools

Zuletzt geändert von Veronika Kocher am Freitag, 04 Sep. 2026 14:45

Infrastruktur, Services und Tools für Kunst- und Forschungsprojekte
VORBEREITEN · INFRASTRUKTUR EINRICHTEN

Infrastruktur, Services und Tools nach dem tatsächlichen Projektbedarf auswählen – und Abhängigkeiten früh sichtbar machen

Digitale Systeme, Räume, Geräte, Labs und spezialisierte Services können zentrale Voraussetzungen für ein Projekt sein. Prüfe zuerst, welche institutionellen Lösungen bereits verfügbar sind, welche Anforderungen dein Projekt wirklich hat und wie Zugriff, Support, Kosten, Datenschutz, Export und Übergabe organisiert werden.

Beginne mit der Aufgabe – nicht mit dem Tool. Beschreibe zuerst, was das Projekt können muss: speichern, gemeinsam arbeiten, produzieren, dokumentieren, analysieren, präsentieren, publizieren oder langfristig übergeben. Erst danach sollte ein konkretes System ausgewählt werden.
Institutionelle Lösungen sind besonders wichtig, wenn Verantwortung über einzelne Personen hinausreichen muss. Das betrifft vor allem gemeinsame Accounts, Zugriffsrechte, Support, Datenschutz, technische Übergabe und die Frage, ob Materialien nach Projektende noch zugänglich bleiben.
SCHRITT 1 · BEDARF BESCHREIBEN

Formuliere zuerst die Anforderungen, die Infrastruktur oder ein Tool erfüllen muss

Eine klare Bedarfsbeschreibung macht es leichter, bestehende institutionelle Angebote zu prüfen und ungeeignete Einzellösungen zu vermeiden.

Funktion: Was soll unterstützt werden – Speicherung, Kollaboration, Produktion, Analyse, Dokumentation, Präsentation oder Publikation?
Nutzer:innen: Wer arbeitet damit – Einzelperson, internes Team, externe Partner:innen, Teilnehmer:innen oder Öffentlichkeit?
Zugriff: Welche Rollen müssen lesen, bearbeiten, administrieren oder nur ansehen können?
Daten / Materialien: Welche Formate, Mengen, Geräte oder physischen Ressourcen sind betroffen?
Schutzbedarf: Gibt es personenbezogene, vertrauliche, lizenzbeschränkte oder anderweitig sensible Inhalte?
Support: Wie kritisch ist fachliche oder technische Unterstützung für den laufenden Betrieb?
Export / Übergabe: Müssen Daten, Dateien, Einstellungen oder Ergebnisse später aus dem System herausgeführt werden können?
Kosten / Laufzeit: Entstehen laufende Gebühren, Verbrauchskosten, Lizenzen oder projektgebundene Beschaffungskosten?
Verfügbarkeit: Wie lange muss die Infrastruktur nutzbar bleiben und was passiert nach Projektabschluss?
Abhängigkeiten: Welche anderen Systeme, Accounts, Räume, Geräte oder Services müssen damit zusammenspielen?
WICHTIGE UNTERSCHEIDUNGEN

Diese Fragen sollten nicht in einer einzigen Tool-Entscheidung verschwinden

Tool ≠ Service.
Ein technisches Produkt kann vorhanden sein, ohne dass institutioneller Support, Beratung oder Zuständigkeit dafür geklärt ist.
Verfügbarkeit ≠ Eignung.
Dass ein System technisch genutzt werden kann, bedeutet nicht automatisch, dass es für Schutzbedarf, Zusammenarbeit oder Übergabe geeignet ist.
Persönlicher Account ≠ Projektinfrastruktur.
Wenn ein Projekt von einzelnen privaten oder persönlichen Zugängen abhängt, können Übergabe und langfristige Verantwortung problematisch werden.
Speicherplatz ≠ vollständige Arbeitsumgebung.
Zusammenarbeit kann zusätzlich Rollen, Versionierung, Freigaben, Dokumentation, Backup oder Exportmöglichkeiten erfordern.
Kauf ≠ Betriebsfähigkeit.
Bei Geräten oder Software können Installation, Wartung, Support, Raum, Sicherheit, Schulung und Folgekosten ebenso wichtig sein wie der Anschaffungspreis.
Projektende ≠ Ende aller Abhängigkeiten.
Accounts, Lizenzen, Daten, Geräte und Zugänge müssen oft bewusst übergeben, geschlossen, exportiert oder weitergeführt werden.
SCHRITT 2 · INSTITUTIONELLE ANGEBOTE PRÜFEN

Prüfe zuerst bestehende Systeme, Services und Fachstellen

01

Bedarf einer Kategorie zuordnen

Ordne die Anforderung etwa digitaler Infrastruktur, Raum/Gebäude, Gerät/Lab oder einem spezialisierten Fachservice zu.

02

Bestehende Angebote suchen

Prüfe, ob die Universität bereits ein vorgesehenes System, einen Dienst oder eine zuständige Fachstelle anbietet.

03

Fachzuständigkeit klären

Ermittle, wer Nutzung, Support, Freigabe, Wartung oder technische Verantwortung tatsächlich trägt.

04

Zugangsweg prüfen

Kläre, ob Accounts, Reservierungen, Freigaben, Schulungen oder interne Vorlaufzeiten notwendig sind.

05

Schutzanforderungen prüfen

Beziehe Datenschutz, Zugriff, Vertraulichkeit und andere projektspezifische Einschränkungen ein.

06

Kosten & Ressourcen prüfen

Berücksichtige Lizenz-, Betriebs-, Verbrauchs-, Installations- oder Folgekosten und ordne sie dem Projektbudget zu.

07

Export und Übergabe klären

Prüfe, wie Dateien, Daten, Einstellungen, Geräte oder Zugänge bei Projektende weitergegeben oder geschlossen werden können.

08

Entscheidung dokumentieren

Halte fest, welche Lösung gewählt wurde, wer zuständig ist und welche offenen Abhängigkeiten noch bestehen.

SCHRITT 3 · LÖSUNGEN VERGLEICHEN

Vergleiche Anforderungen und Rahmenbedingungen systematisch

Ein einfacher Vergleich verhindert, dass ein Tool nur wegen Bekanntheit oder kurzfristiger Verfügbarkeit gewählt wird.

KriteriumWas prüfen?Warum?
Funktionale EignungErfüllt die Lösung die tatsächlich benötigten Aufgaben und Workflows?Vermeidet Tool-Auswahl ohne klaren Projektbezug.
Institutionelle ZuständigkeitGibt es eine verantwortliche Einheit, Support oder definierte Betriebszuständigkeit?Macht Nutzung und Eskalationsweg nachvollziehbar.
Zugriff & RollenKönnen notwendige Rollen und Berechtigungen sinnvoll abgebildet werden?Unterstützt Zusammenarbeit und Schutzbedarf.
Datenschutz / VertraulichkeitIst die Nutzung mit den Anforderungen des Projekts vereinbar?Verhindert ungeeignete Ablage oder Verarbeitung sensibler Inhalte.
ExportierbarkeitKönnen Dateien, Daten, Metadaten oder Einstellungen in brauchbarer Form exportiert werden?Reduziert Abhängigkeit von einem einzelnen System.
InteroperabilitätFunktioniert die Lösung mit anderen benötigten Tools, Formaten oder Geräten?Verhindert isolierte Insellösungen.
Support & WartungWer hilft bei Störungen, Updates, Betrieb oder Nutzung?Macht die tatsächliche Betriebsfähigkeit sichtbar.
KostenWelche Anschaffungs-, Lizenz-, Betriebs-, Verbrauchs- oder Folgekosten entstehen?Verbindet Infrastruktur mit realistischer Projektplanung.
LaufzeitBleibt die Lösung über die benötigte Projekt- und Übergabephase verfügbar?Verhindert Abhängigkeit von kurzfristigen Einzelzugängen.
ProjektabschlussWie werden Accounts, Geräte, Daten, Lizenzen und Zugriffe am Ende behandelt?Macht Übergabe und Abschluss planbar.
TYPISCHE SZENARIEN

Infrastrukturbedarf zeigt sich je nach Projektform sehr unterschiedlich

Gemeinsame digitale Arbeitsumgebung

Prüfe Accounts, Rollen, Speicher, Zusammenarbeit, Backup, Export und Übergabe gemeinsam – nicht als getrennte Einzelentscheidungen.

Große Medien- oder Forschungsdaten

Berücksichtige Speicherbedarf, Transfer, Backup, Zugriffsrechte, Verarbeitung und gegebenenfalls spezialisierte Infrastruktur.

Geräte, Werkstätten oder Labs

Kläre Verfügbarkeit, Zugangsregeln, Schulung, Sicherheit, Verbrauchsmaterialien, Wartung und technische Unterstützung.

Räume & Gebäudeservices

Prüfe früh Kapazität, Zugänglichkeit, technische Anschlüsse, Aufbauzeiten, Sicherheit und zuständige Facility-Prozesse.

Spezialisierte Software oder Plattform

Prüfe Lizenz, Laufzeit, Accounts, Export, technische Abhängigkeiten und was nach Projektende mit Daten oder Projekten geschieht.

Gefördertes Verbundprojekt

Mehrere Partner:innen können unterschiedliche Systeme und Zuständigkeiten mitbringen. Kläre gemeinsame Arbeitswege, Übergaben und institutionelle Verantwortung früh.

SCHRITT 4 · INFRASTRUKTURPLAN DOKUMENTIEREN

Halte die wichtigsten Systeme, Zuständigkeiten und Abhängigkeiten an einer Stelle fest

Der Infrastrukturplan kann Teil der Projektplanung oder des Datenmanagementplans sein. Entscheidend ist, dass technische Abhängigkeiten nicht nur implizit bekannt sind.

System / Service: Welche Infrastruktur oder welches Tool wird genutzt?
Zweck: Welche konkrete Projektfunktion unterstützt die Lösung?
Verantwortliche Einheit: Wer ist institutionell oder projektintern zuständig?
Zugangsweg: Wie erhalten Teammitglieder Accounts, Berechtigungen, Reservierungen oder Freigaben?
Kosten: Welche einmaligen oder laufenden Kosten müssen eingeplant werden?
Abhängigkeiten: Welche Geräte, Räume, Software, Accounts oder Datenformate werden zusätzlich benötigt?
Schutzanforderungen: Welche Datenschutz-, Vertraulichkeits- oder Sicherheitsfragen gelten?
Export / Übergabe: Wie werden Daten, Dateien, Geräte oder Zugänge bei Projektabschluss behandelt?
STOPP & PRÜFEN

Typische Warnsignale bei Infrastruktur- und Toolentscheidungen

Das Tool wurde gewählt, bevor der Bedarf geklärt war.
Die Projektarbeit passt sich unnötig an ein Produkt an, statt dass die Lösung die Aufgabe unterstützt.
Zentrale Projektarbeit hängt an einem privaten oder persönlichen Account.
Zugriff, Übergabe und institutionelle Verantwortung sind dadurch gefährdet.
Niemand kennt die zuständige Fachstelle.
Bei Störung, Freigabe, Wartung oder Projektende fehlt ein klarer Eskalationsweg.
Export oder Datenmitnahme wurden nicht geprüft.
Wichtige Projektmaterialien können am Ende in einem System eingeschlossen bleiben.
Nur der Anschaffungspreis wurde geplant.
Lizenz, Betrieb, Wartung, Verbrauch, Raum, Sicherheit, Schulung oder Support fehlen im Projektplan.
Technische Abhängigkeiten sind nicht dokumentiert.
Bei Teamwechsel oder Projektabschluss ist unklar, welche Systeme zum Verstehen oder Weiterführen der Arbeit benötigt werden.
SERVICES & UNTERSTÜTZUNG

Welche Fachstelle je nach Infrastrukturtyp zuständig ist

IT & Digitalisierung / ZID Primäre Fachzuständigkeit für digitale Systeme, Accounts, digitale Arbeitsumgebungen und technische Infrastruktur.
Facility Management Primäre Zuständigkeit für Räume und Gebäudeservices sowie die dafür vorgesehenen internen Abläufe.
Jeweils benannte Fachstelle Für Geräte, Labs, Werkstätten oder andere spezialisierte Infrastrukturen bleibt die Fachverantwortung bei der zuständigen Einheit.
Support Kunst und Forschung (SKF) Koordiniert Infrastrukturbedarfe und interne Wege von Forschungsprojekten, besonders bei geförderten Projekten; die Fachverantwortung bleibt bei der zuständigen Einheit.
VERWANDTE THEMEN

Infrastrukturentscheidungen hängen eng mit diesen Projektthemen zusammen

SCHULUNGEN & WORKSHOPS

Schulungen, Workshops & Sprechstunden

Passende Angebote zu diesem Thema werden hier künftig automatisch aus dem zentralen Kalender angezeigt.

IN VORBEREITUNG
PRAKTISCHE RESSOURCEN

Info-Blätter, Anleitungen und Vorlagen

Info-BlätterIN VORBEREITUNG
Kurze Orientierung zur Auswahl institutioneller Systeme, Services, Räume, Geräte und Tools.
AnleitungenIN VORBEREITUNG
Schritt-für-Schritt-Abläufe für Bedarfsanalyse, Lösungsvergleich und Übergabeplanung.
Checklisten & VorlagenIN VORBEREITUNG
Vorlage für Infrastrukturplan, Toolvergleich und technische Projektübergabe.
Brauchst du Hilfe beim richtigen internen Weg? Starte bei der Fachstelle, die für den betreffenden Infrastrukturtyp zuständig ist. Bei geförderten oder projektbasierten Forschungsvorhaben mit mehreren beteiligten Einheiten kann SKF den Projektweg und die Infrastrukturabhängigkeiten koordinieren.
Suchbegriffe & verwandte Themen
Infrastruktur · Services · Tools · digitale Systeme · IT · ZID · Facility Management · Räume · Gebäudeservices · Geräte · Labs · Werkstätten · Software · Plattform · Accounts · Zugriffsrechte · Kollaboration · Speicherung · Backup · Support · Wartung · Lizenz · Export · Interoperabilität · Datenschutz · Projektübergabe · Forschungsinfrastruktur · Projektinfrastruktur