Zusammenarbeit einrichten

Zuletzt geändert von Veronika Kocher am Freitag, 04 Sep. 2026 14:45

Zusammenarbeit in Kunst- und Forschungsprojekten einrichten
VORBEREITEN · INFRASTRUKTUR & ZUSAMMENARBEIT EINRICHTEN

Zusammenarbeit so einrichten, dass Rollen, Zugänge, Dateien und Verantwortlichkeiten nicht an einzelnen Personen hängen

Gemeinsame Arbeitsumgebungen, institutionelle Accounts, klare Zugriffsgruppen und dokumentierte Rollen schaffen eine belastbare Grundlage für kollaborative Projekte. Lege früh fest, wie das Team arbeitet, wer worauf zugreifen darf, wie Entscheidungen dokumentiert werden und wie Übergaben organisiert sind.

Beginne mit Menschen, Rollen und gemeinsam genutzten Ressourcen. Beschreibe, wer im Projekt mitarbeitet, welche Aufgaben und Entscheidungsrechte bestehen, welche Systeme gemeinsam genutzt werden und was bei Rollenwechsel oder Projektende übergeben werden muss.
Gute Zusammenarbeit ist organisatorisch und technisch zugleich. Rollen ohne passende Zugriffsrechte funktionieren ebenso schlecht wie geteilte Ordner ohne klare Zuständigkeit. Plane Arbeitsvereinbarungen, Accounts, Dateien, Kommunikation und Übergabe deshalb gemeinsam.
SCHRITT 1 · BETEILIGTE & ROLLEN KLÄREN

Lege fest, wer im Projekt wofür verantwortlich ist

Rollen müssen nicht kompliziert sein. Entscheidend ist, dass zentrale Aufgaben, Entscheidungen und Übergaben einer verantwortlichen Person oder Funktion zugeordnet sind.

Projektleitung: Wer trägt die übergeordnete Projektverantwortung und entscheidet bei Ziel-, Ressourcen- oder Prioritätsfragen?
Fachliche / künstlerische Rollen: Wer verantwortet Inhalte, Methoden, künstlerische Arbeit, Forschung oder Produktion?
Technische Rollen: Wer verwaltet Systeme, Geräte, Speicherorte, Accounts oder technische Workflows?
Administrative Rollen: Wer kümmert sich um Budget, Verträge, Förderunterlagen, Berichte oder organisatorische Abläufe?
Daten / Dokumentation: Wer hält Projektentscheidungen, Dateien, Metadaten oder Datenmanagement nachvollziehbar?
Externe Partner:innen: Welche Aufgaben, Zugriffe und Liefergegenstände liegen außerhalb der Universität?
Freigaben: Wer darf Inhalte, Daten, Publikationen, Ausgaben oder öffentliche Kommunikation freigeben?
Vertretung / Übergabe: Wer kann zentrale Aufgaben übernehmen, wenn Personen ausfallen oder das Projekt verlassen?
WICHTIGE UNTERSCHEIDUNGEN

Diese Dinge sollten in kollaborativen Projekten nicht gleichgesetzt werden

Rolle ≠ Account.
Eine fachliche oder organisatorische Rolle sollte nicht nur dadurch definiert sein, dass eine bestimmte Person einen technischen Zugang besitzt.
Zugriff ≠ Verantwortung.
Wer eine Datei öffnen kann, ist nicht automatisch für ihre Qualität, Freigabe, Sicherung oder langfristige Aufbewahrung zuständig.
Gemeinsamer Ordner ≠ gemeinsame Arbeitsvereinbarung.
Zusammenarbeit braucht zusätzlich Regeln zu Benennung, Versionen, Freigaben, Kommunikation und Zuständigkeiten.
Persönlicher Account ≠ Projektkonto.
Wenn zentrale Ressourcen an persönliche Zugänge gebunden sind, können Übergabe, Kontinuität und institutionelle Verantwortung problematisch werden.
Projektpartner:in ≠ gleiche Zugriffsrechte.
Externe Partner:innen brauchen nur jene Zugänge und Informationen, die für ihre Aufgabe erforderlich sind.
Projektende ≠ automatische Übergabe.
Accounts, Ordner, Rechte, Geräte, Verträge und offene Aufgaben müssen bewusst weitergegeben, geschlossen oder dokumentiert werden.
SCHRITT 2 · GEMEINSAME ARBEITSUMGEBUNG EINRICHTEN

Definiere, wo und wie das Team gemeinsam arbeitet

01

Gemeinsame Systeme festlegen

Bestimme, welche institutionellen Systeme für Dateien, Kommunikation, Planung, Dokumentation und Zusammenarbeit verwendet werden.

02

Institutionelle Accounts bevorzugen

Nutze nach Möglichkeit institutionell verwaltete Konten und projektgeeignete Zugangswege statt privater Einzelaccounts.

03

Zugriffsgruppen definieren

Ordne Berechtigungen nach Rollen und Aufgaben statt alle Personen standardmäßig mit Vollzugriff auszustatten.

04

Gemeinsame Ablage festlegen

Definiere die maßgebliche Projektablage und vermeide parallele, unklare Hauptkopien auf persönlichen Geräten.

05

Kommunikationswege festlegen

Entscheide, wo verbindliche Informationen, Entscheidungen und operative Abstimmungen dokumentiert werden.

06

Freigaben definieren

Lege fest, welche Inhalte oder Entscheidungen eine formale oder dokumentierte Freigabe benötigen.

07

Externe Zugänge begrenzen

Gib Partner:innen nur notwendige Zugriffe und dokumentiere, wann und wie diese wieder entfernt werden.

08

Vertretung sicherstellen

Vermeide technische oder organisatorische Single Points of Failure, indem zentrale Zuständigkeiten übergebbar bleiben.

SCHRITT 3 · ARBEITSVEREINBARUNG FESTHALTEN

Ein kurzer gemeinsamer Standard verhindert viele spätere Missverständnisse

Die Vereinbarung kann sehr knapp sein. Sie sollte aber an einer zentralen Stelle liegen und für neue Teammitglieder verständlich sein.

ElementWas festhalten?Warum?
RollenWer übernimmt welche fachlichen, technischen und administrativen Aufgaben?Macht Verantwortung und Vertretung nachvollziehbar.
ArbeitsumgebungWelche Systeme und Speicherorte sind für das Projekt maßgeblich?Verhindert parallele unklare Arbeitswelten.
ZugriffWelche Rollen erhalten welche Berechtigungen?Verbindet Zusammenarbeit mit Schutzbedarf.
Datei- & VersionsregelnWie werden Dateien benannt, Versionen unterschieden und Masterdateien gekennzeichnet?Reduziert Verwechslungen in der gemeinsamen Ablage.
EntscheidungenWo werden wichtige Projektentscheidungen dokumentiert?Verhindert, dass Kontext nur in persönlichen Nachrichten oder Gesprächen bleibt.
FreigabenWer darf welche Ergebnisse, Ausgaben oder Publikationen freigeben?Macht Verantwortlichkeit vor Veröffentlichung klar.
Externe Partner:innenWelche Zugänge, Liefergegenstände und Übergaben gelten?Verhindert unklare Schnittstellen zwischen Organisationen.
RollenwechselWie werden Accounts, Dateien, offene Aufgaben und Wissen übergeben?Erhält Kontinuität bei personellen Änderungen.
ProjektabschlussWas wird übergeben, geschlossen, erhalten oder archiviert?Macht den Übergang aus der aktiven Zusammenarbeit planbar.
TYPISCHE SZENARIEN

Zusammenarbeit braucht je nach Projektform unterschiedliche Vereinbarungen

Kleines internes Projektteam

Auch bei wenigen Personen sollten gemeinsame Ablage, Rollen, Freigaben und Vertretung klar sein, damit die Arbeit nicht an persönlichen Geräten oder Accounts hängt.

Interdisziplinäres Projekt

Unterschiedliche Arbeitsweisen und Fachsprachen brauchen klare Schnittstellen, gemeinsame Dokumentationsorte und nachvollziehbare Zuständigkeiten.

Externe Projektpartner:innen

Kläre Zugriffe, Austauschformate, Zuständigkeiten, Liefergegenstände und den Entzug von Berechtigungen schon beim Einstieg.

Künstlerische Kollaboration

Dokumentiere neben technischen Zugängen auch Rollen, Beiträge, Freigaben und gegebenenfalls Rechte- oder Veröffentlichungsfragen.

Gefördertes Verbundprojekt

Partnerrollen, Deliverables, Berichtspflichten, institutionelle Zuständigkeiten und Projektübergaben sollten mit den Förderbedingungen abgestimmt sein.

Teamwechsel während des Projekts

Accounts, Projektwissen, offene Aufgaben, Berechtigungen und maßgebliche Dateien müssen so dokumentiert sein, dass ein Wechsel ohne Kontrollverlust möglich ist.

SCHRITT 4 · ÜBERGABE VON ANFANG AN MITPLANEN

Zusammenarbeit ist erst robust, wenn zentrale Aufgaben und Ressourcen übergebbar sind

Accounts: Welche Zugänge müssen übertragen, beendet oder durch neue Rollen ersetzt werden?
Zugriffsgruppen: Welche Personen müssen entfernt oder hinzugefügt werden?
Dateien: Wo liegen maßgebliche Projekt-, Master- und Abschlussdateien?
Offene Aufgaben: Welche Entscheidungen, Fristen oder Liefergegenstände sind noch nicht abgeschlossen?
Dokumentation: Wo findet eine neue Person die wichtigsten Projektregeln, Systeme und Entscheidungen?
Externe Kontakte: Welche Partner:innen, Dienstleister oder Fachstellen müssen über Rollenänderungen informiert werden?
Verträge / Vereinbarungen: Welche formalen Zuständigkeiten oder Kooperationen müssen geprüft oder angepasst werden?
Projektende: Welche Ressourcen bleiben erhalten, werden geschlossen oder an eine andere Einheit übergeben?
STOPP & PRÜFEN

Typische Warnsignale bei der Zusammenarbeit

Nur eine Person hat den zentralen Account.
Das Projekt hat einen technischen und organisatorischen Single Point of Failure.
Wichtige Entscheidungen liegen nur in privaten Chats oder E-Mails.
Kontext und Nachvollziehbarkeit gehen bei Teamwechsel oder Übergabe verloren.
Alle haben überall Vollzugriff.
Zugriffsrechte wurden nicht nach Aufgaben und Schutzbedarf strukturiert.
Externe Partner:innen behalten Zugänge unbegrenzt.
Es fehlt ein definierter Endpunkt für Berechtigungen und Projektzugriff.
Rollen sind benannt, aber Aufgaben und Freigaben nicht.
Formale Titel allein klären nicht, wer tatsächlich entscheidet oder verantwortlich ist.
Übergabe wird erst am letzten Projekttag geplant.
Accounts, Dateien, Verträge, offene Aufgaben und Wissen lassen sich dann oft nicht mehr sauber zusammenführen.
SERVICES & UNTERSTÜTZUNG

Welche Stellen je nach Kollaborationsfrage zuständig sind

Projekt- / tragende Einheit Primär zuständig für Rollen, Arbeitsvereinbarungen, interne Verantwortung und projektbezogene organisatorische Abläufe.
IT & Digitalisierung / ZID Für Accounts, institutionelle digitale Arbeitsumgebungen, gemeinsame Zugriffe und technische Umsetzung.
Rechtsabteilung Für formale Kooperationsvereinbarungen, Vertragsfragen oder rechtlich verbindliche Zusammenarbeit, wenn erforderlich.
Support Kunst und Forschung (SKF) Koordiniert bei geförderten Forschungsprojekten Partner:innen, Antrags-/Projektwege und projektbezogene Übergabeabhängigkeiten.
VERWANDTE THEMEN

Zusammenarbeit hängt eng mit diesen Entscheidungen zusammen

SCHULUNGEN & WORKSHOPS

Schulungen, Workshops & Sprechstunden

Passende Angebote zu diesem Thema werden hier künftig automatisch aus dem zentralen Kalender angezeigt.

IN VORBEREITUNG
PRAKTISCHE RESSOURCEN

Info-Blätter, Anleitungen und Vorlagen

Info-BlätterIN VORBEREITUNG
Kurze Orientierung zu Rollen, Accounts, Zugriffsgruppen, Arbeitsvereinbarungen und Projektübergabe.
AnleitungenIN VORBEREITUNG
Schritt-für-Schritt-Abläufe für Team-Setup, Zugriffsreview und Rollenwechsel.
Checklisten & VorlagenIN VORBEREITUNG
Vorlage für Collaboration Plan, Rollenmatrix und Projektübergabe.
Brauchst du Hilfe beim richtigen Projektweg? Kläre Rollen und Arbeitsvereinbarungen mit der Projekt- beziehungsweise tragenden Einheit und technische Zugänge mit IT/ZID. Bei geförderten Projekten mit mehreren Partner:innen kann SKF den Projektweg, Schnittstellen und Übergabeabhängigkeiten koordinieren.
Suchbegriffe & verwandte Themen
Zusammenarbeit · Kollaboration · Collaboration · Team · Rollen · Zuständigkeiten · Verantwortlichkeiten · Accounts · Zugriffsgruppen · Berechtigungen · gemeinsamer Arbeitsbereich · gemeinsamer Ordner · Projektpartner:innen · Rollenmatrix · Arbeitsvereinbarung · Kommunikation · Freigabe · Übergabe · Rollenwechsel · Partnerzugang · Projektkoordination · Verbundprojekt · institutionelle Accounts